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Taubblindheit

Taubblindheit ist eine Behinderung eigener Art. Sie ist mehr als nur eine Addition von Gehörlosigkeit und Blindheit. Beide Fernsinne sind geschädigt. Der Ausfall des einen Sinns kann nicht durch den anderen kompensiert werden – im Gegenteil: Die Auswirkungen der Sinnesdefizite potenzieren einander.
Taubblindheit ist als eine Behinderung mit einem besonderen Unterstützungsbedarf zu betrachten, denn die fehlenden Kompensationsmöglichkeiten führen zum Verlust der Kommunikation und damit zum Verlust der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.
Taubblinde Menschen leben in einer für uns unvorstellbaren Isolation von der Außenwelt. Informationen über die Umgebung gibt es vor allem über den Tastsinn, das Vibrationsempfinden, den Geruchs-, Geschmacks- und Gleichgewichtssinn. Eigenwahrnehmung und Bewegung spielen ebenfalls eine große Rolle.

Der Personenkreis der taubblinden Menschen

Für die Auswirkungen einer Hörsehbehinderung ist entscheidend, wann sie eingetreten ist. Dies ist insbesondere relevant, je hochgradiger die Hörsehschädigung ist. Grob kann man drei Betroffenengruppen unterscheiden:

Die Gruppe der Geburtstaubblinden

Bei dieser Gruppe von Betroffenen handelt es sich um Personen, die ihre Welt fast ausschließlich über die drei verbliebenen Sinne (fühlen, riechen, schmecken) entdeckt haben.
Die Gruppe der ertaubten Menschen bei vorhandener Blindheit

Die betroffenen Menschen sind hochgradig sehbehindert oder blind und verlieren im Verlauf ihres Lebens ihr Hörvermögen.

Blinde Menschen versuchen den fehlenden Gesichtssinn durch verstärkte Aufmerksamkeit auf das Hören auszugleichen. Ein blinder Mensch erfasst durch Echo und Widerhall von Schritten die Größe eines Raumes, durch Motorenlärm die Richtung, aus der Fahrzeuge in eine Straßenkreuzung einbiegen. Ein blinder Mensch schaltet sich über Radio, Kassetten, sprechende Computer in das Informationsangebot ein. Den Wegfall der visuellen Wahrnehmung gleicht er durch intensives Hören aus. Der Tastsinn wird zur Orientierung und zur Kommunikation trainiert und ermöglicht die Nutzung der haptisch erfassbaren Schrift „Braille". Verliert er sein Gehör, so verliert er fast alle Möglichkeiten einer selbstbestimmten Lebensgestaltung.

Die Gruppe der erblindeten Menschen bei vorhandener Gehörlosigkeit

Ein gehörloser Mensch hat es gelernt, mit voller Konzentration zu beobachten: den Gesichtsausdruck seines Gegenübers zu deuten und das gesprochene Wort von den Lippen abzulesen. Er verständigt sich mit anderen Gehörlosen über die Gebärdensprache.
Erblinden diese Menschen, so verlieren sie ihre Mobilität und die Wahrnehmungsfähigkeit ihrer Muttersprache. Sie müssen Orientierung und Mobilität sowie den Tastsinn trainieren und die taktil erfassbare Schrift blinder Menschen mühsam erlernen. Die Kommunikation in der Muttersprache muss ebenfalls neu erlernt werden durch: die Umwandlung der optisch wahrnehmbaren Gebärden in taktil geführte Gebärden.

Kommunikation taubblinder Menschen

Je nach Vorgeschichte und Hintergrund der Erkrankung bringen die Betroffenen unterschiedliche Kommunikationsvoraussetzungen und -möglichkeiten mit. Die taktile Wahrnehmung rückt in den Vordergrund. Dabei kommt der „Sprache der Hände" eine besondere Bedeutung zu.

Die Deutsche Gebärdensprache (DGS)

Die Gehörlosen bezeichnen die DGS als ihre Muttersprache. Sie ist eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik und eigener Semantik. Infolgedessen ist die Lautsprache/Schriftsprache für Gehörlose eine Fremdsprache, deren Regeln erst mühsam erlernt werden müssen.

Die Identität eines Menschen und damit verbunden die soziale und kulturelle Entwicklung ist eng verknüpft mit seiner Muttersprache. Ein gehörloser Mensch, der mit der Gebärdensprache aufgewachsen ist und sich der (auch kulturellen und sozialen) Gemeinschaft der Gehörlosen zugehörig fühlt, möchte daher nicht seine Muttersprache verlieren, wenn er zu erblinden droht.

Taktile Gebärden und Fingeralphabet (Daktylieren)

Reicht der Sehrest nicht mehr aus, um Gebärdensprache visuell wahrzunehmen, können die Betroffenen in taktilen Gebärden kommunizieren. Dabei legen sie ihre Hände locker auf die Hände des gebärdenden Gesprächspartners und verfolgen so die Handbewegung. Das zur DGS gehörige Fingeralphabet kann ebenfalls abgefühlt werden und zur Vermittlung einzelner Worte oder Fremdwörter eingesetzt werden. Für viele Betroffene sind die taktilen Gebärden eine Möglichkeit, ihre Muttersprache beizubehalten.

Lormen und Lautsprache

Das Lormen ist ein Tastalphabet, das mit Punkten und Strichen in die Handinnenfläche gezeichnet wird. Eine gute Schriftsprachkompetenz ist Voraussetzung. Daher wird es häufig von spät ertaubten Blinden verwendet. Spät ertaubte Menschen verlieren im Allgemeinen nicht die Fähigkeit, sich in der Lautsprache gut verständlich zu artikulieren, ein Verstehen der Lautsprache ist nur über das Lormen möglich.
Siehe hierzu auch: Lormen

Ursachen

Ursachen können sein:

  • Gehirnhautentzündungen,
  • Schädel-Hirn-Traumata,
  • pränatale Schädigungen u.ä.

Die häufigste Ursache allerdings ist das Usher-Syndrom. Hierbei handelt es sich um eine genetisch bedingte Hörsehschädigung: von Geburt an Gehörlosigkeit (Usher Typ I) oder Schwerhörigkeit (Usher Typ II) in Verbindung mit einer Degeneration der Netzhaut (Retinopathia Pigmentosa). Als Kinder sind die Betroffenen zunächst normal sehend. Von der Peripherie beginnend degeneriert ungefähr vom 7. Lebensjahr an die Netzhaut. Dämmerungsblindheit und Gesichtsfeldeinschränkungen sind die Folge. Die Betroffenen werden röhren- oder tunnelsichtig. Die Degeneration führt zu erheblichen Beeinträchtigungen bis hin zu Blindheit.

Siehe hierzu ausführlich: Usher-Syndrom

Infothek Auge

Frau beim Augenarzt
Welche Ursachen können Blindheit oder Sehbehinderung haben?
Sehbehinderungen und Blindheit treten aus vielen unterschiedlichen Gründen auf. Sie können aus Unfällen resultieren oder die Folge von Krankheiten sein.
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